"Eine erste Standortbestimmung"

Daniel Heuer Fernandes blieb ein kurzer Moment zum Durschnaufen, bevor seine Teamkollegen auf ihn zustürmten. Sekunden zuvor hatte der Schlussmann der Lilien den Elfmeter des Paderborners Schonlau pariert und den Ball danach wie ein rohes Ei unter seine schützenden Handschuhe gelegt. Eine Szene quasi als i-Tüpfelchen auf eine starke Defensivleistung der gesamten Mannschaft, die offensiv durch den Treffer von Neuzugang Serdar Dursun abgerundet wurde und für einen erfolgreichen Saisonstart des SV 98 sorgte.

Foto: Stefan Holtzem

Angesprochen auf seine Tat blieb Fernandes am Tag darauf gewohnt bescheiden und rückte viel eher die Teamleistung in den Vordergrund: "Ich freue mich natürlich, dass ich dem Team helfen konnte. Aber wir haben es insgesamt geschafft, eine defensive Kompaktheit herzustellen, da war ich sehr zufrieden mit meinen Vorderleuten."

Tatsächlich verlebte der Torhüter mit Ausnahme des Elfmeters einen relativ ruhigen Nachmittag in der brütenden Hitze im Merck-Stadion am Böllenfalltor. Von Beginn an wirkten die Lilien wach, arbeiteten konzentriert gegen den Ball und setzten auch offensiv immer wieder Akzente. "Wir können mit dem Auftritt zufrieden sein, das haben wir uns auch in der Vorbereitung erarbeitet“, resümierte daher auch Fernandes, der damit ähnliche Töne anschlug, wie es Aytac Sulu bereits nach Spielende getan hatte. „Für das erste Spiel war es eine ordentliche Leistung", hatte der Kapitän erklärt, zumal der Saisonauftakt auch immer eine "erste Standortbestimmung" darstelle. Eine erste Standortbestimmung. Nicht mehr und nicht weniger, dessen waren sich alle Beteiligten bewusst

Immer ein hartes Stück Arbeit

„Saisonprognosen“ wollte Sulu nach dem erfolgreichen Auftakt ohnehin keine abgeben, auch, wenn der 32-Jährige durchaus allgemeine Schlüsse aus den 90 Minuten gegen Paderborn ziehen konnte: „Wir haben wieder gesehen, dass es in der zweiten Liga immer ein hartes Stück Arbeit sein wird und es ist ungemein wichtig, in den ersten Wochen gut in die Saison zu finden. In jedem Spiel der Saison wird eine Leistung am Limit gefordert sein.“

Ihr körperliches Limit erreichten die Akteure auf dem Feld allein durch die Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke, die aber keinerlei Einfluss auf die Intensität der Zweikämpfe oder den läuferischen Einsatz aller Spieler nahmen. 60 Prozent der Duelle entschieden die Lilien über die gesamte Spielzeit. Ein Wert, der verdeutlicht, dass auch ein ausgeprägter Willen schlussendlich die ersten drei Zähler dem Darmstädter Punktekonto zuführte.

"Der Fußball hat seine eigene Sprache" 

Symbolisch dafür stand auch Serdar Dursun, der nach nur wenigen Einheiten mit seiner neuen Mannschaft in der Startelf stand und nicht nur aufgrund des Siegtreffers eine überzeugende Leistung ablieferte. „Es war nicht einfach nach der kurzen Zeit mit dem Team“, gestand der Angreifer daher auch auf Nachfrage, ergänzte dann aber: „Der Fußball hat seine eigene Sprache, daher hat es trotzdem schon gut funktioniert. Die Abläufe werden jetzt sicherlich schnell noch besser werden.“

Viel Zeit bleibt nicht, bis Dursun und seine Kollegen wieder gemeinsam auf dem Platz stehen werden. Bereits am Freitagabend gastieren die Lilien beim FC St. Pauli. Eine Partie, die immer wieder ein spezielles Kribbeln hervorruft. „20.30 Uhr am Millerntor, da freuen wir uns alle drauf“, erklärte Heuer Fernandes mit Blick auf die erste Auswärtspartie der Saison, die das Team mit Sicherheit wieder vor eine große Herausforderung stellen wird: „Es wird ein schwieriges Spiel. Auf St. Pauli ist es immer speziell, aber wir werden vorbereitet sein.“

Die Reise nach Hamburg treten die Lilien dabei durchaus positiv an, wie Sulu unterstrich: „Wir fahren mit dem guten Gefühl eines Auftaktsieges nach Hamburg und werden so erholt sein, dass wir wieder 90 Minuten Gas geben können. Wir haben auf St. Pauli bislang immer gute Spiele abgeliefert, daran wollen wir anknüpfen.“

Daran, und an die gezeigte Leistung der Auftaktpartie.