Der Name

Benannt wurde das Böllenfalltorstadion nach Pappeln, den so genannten "Böllen", welche zu Zeiten des großherzoglichen Darmstadt auf dem Weg nach Traisa wuchsen. In unmittelbarer Umgebung des heutigen Stadions befand sich ein Stadttor, das den Weg nach Traisa bei Bedarf verriegelte, daher der Teil "Falltor".

Noch heute schmückt eine Vielzahl von Pappeln den Nordrand des Stadions. Diese dürfen auf Anordnung der Stadtverordnetenversammlung von 1920 nicht gefällt werden, da der Verein seinerzeit die Patenschaft für die Bäume übernahm.

Geschichte des Böllenfalltorstadions

Das Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor liegt im Südosten von Darmstadt und ist seit 1921 die Heimspielstätte des SV Darmstadt 98. Das städtische Stadion wurde in den Jahren 1919 bis 1921 erbaut und mit einer Sportwoche vom 24. bis 31. Juli 1921 feierlich eingeweiht, unter anderem mit einem Freundschaftsspiel gegen den Freiburger FC (Deutscher Meister 1907). Die Kosten für die nach damaligen Maßstäben gelungene und vorbildliche Sportanlage lagen bei etwa 240.000 Reichsmark. Sie bot Platz für etwa 8.000 Zuschauer.

Nach dem zweiten Weltkrieg diente sie den amerikanischen Truppen als Baseball-Arena, ehe 1950 die "Lilien" als Oberligist (seinerzeit die höchste deutsche Spielklasse) wieder Einzug hielten. Damit verbunden wurden zwischen 1950 und 1952 Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt, sodass das Stadion 1952 nach diversen Umbauten mit nunmehr 25.000 Plätzen neu eröffnet wurde.

Am 8. November 1975 wurde die alte, 80 Meter lange, überdachte Sitztribüne aus Holz, durch eine neue Haupttribüne mit 4.000 überdachten Sitzplätzen ersetzt. Die Baukosten beliefen sich auf 3,2 Millionen Mark. Nach dem überraschenden und sensationellen Aufstieg der 98er in Deutschlands höchste Fußballklasse wurde auf Veranlassung des DFB die Kapazität auf 30.000 Zuschauer erhöht. Hierzu wurde im Juli 1978 die Gegengerade um 36 Stufen erhöht. 1981 wurde das Böllenfalltorstadion aufgrund einer DFB-Auflage nach dem erneuten Aufstieg in die 1. Bundesliga mit einer modernen Flutlichtanlage ausgestattet, ein Projekt mit einer Größenordnung von 1,8 Millionen Mark.

Durch Umbaumaßnahmen nach dem Aufstieg 2011 in die 3. Liga und drei Jahre später in die 2. Bundesliga hat sich das Fassungsvermögen auf 16.500 Zuschauern reduziert. Davon sind knapp 3.500 überdachte Sitzplätze auf der Haupttribüne, 400 unüberdachte Gästesitzplätze auf der Gegengeraden und 12.600 unüberdachte Stehplätze.
 

Übertragung der Namensrechte

Im Juli 2014 einigten sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt und das Pharma- und Chemieunternehmen Merck darauf, dass Merck die Namensrechte für das städtische Stadion am Böllenfalltor erwirbt. In den Spielzeiten 2014/15 und 2015/16 trugen die Lilien ihre Heimspiele im "Merck-Stadion am Böllenfalltor" aus.

In der laufenden Saison 2016/17 verzichtet Merck auf sein erworbenes Namensrecht, um das Lebenswerk von Jonathan Heimes zu würdigen und die gemeinnützige Gesellschaft "DUMUSSTKÄMPFEN" zugunsten krebskranker Kinder zu unterstützen. Daher lautet die Heimstätte der Lilien derzeit "Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor".

Sowohl der Stadt Darmstadt als auch dem Unternehmen Merck war es wichtig, dass sich die Historie der Sportstätte im neuen Namen widerspiegelt. Daher blieb das weit über die Grenzen Darmstadts bekannte "Am Böllenfalltor" als Bestandteil im Stadionnamen erhalten. Die Vereinbarung zwischen Merck und der Stadt wurde für fünf Jahre festgeschrieben.

Anzeigetafel

Anfang des Jahres 2015 erhielt der SV 98 eine von Stadion-Namensgeber Merck finanzierte neue Anzeigetafel, die zum ersten Heimspiel des Jahres in Betrieb genommen wurde. Die rund 30 Quadratmeter große Wand beinhaltet eines der modernsten und energieeffizientesten LED-Systeme am Markt.