Den langen Atem bewahren

Ein kleines Déjà-vu-Erlebnis ereilte den SV 98 am Mittwochvormittag. Denn nach dem Siegtor in der Nachspielzeit am Ostersonntag mussten die Lilien erneut ihren langen Atem unter Beweis stellen. Rund zweieinhalb Stunden ließ das Trainerteam die Spieler bei eisigem Wind trainieren. Gewöhnung an die Nordluft in Hamburg - und hoffentlich auch an weitere späte Erfolgserlebnisse.

Foto: Huebner/Ulrich

"Die Jungs sind gut drauf und haben sehr gut trainiert", bestätigte Torsten Frings tags darauf beim Mediengespräch vor dem Spiel beim Hamburger SV: "Wir hatten eine sehr lange Einheit, aber die Jungs haben von Anfang bis Ende alles rausgehauen."

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Bis zum Ende alles aus sich herausholen - im Training und im Spiel. Eine Maxime, die die Lilien fast schon traditionell verinnerlicht haben. Eine Maxime, die am vergangenen Sonntag von Erfolg gekrönt war. Und eine Maxime, die hoffentlich auch beim Auswärtsspiel am Samstag ihre Früchte tragen wird.

Dann nämlich sollen die Trauben auswärts mal nicht zu hoch hängen und endlich die ersten Auswärtszähler gepflückt werden. Aber diese Aufgabe hat es in sich: Satte 20 Punkte sammelte der Hamburger SV bereits in der Rückrunde, seit November hat man im Volksparkstadion nicht mehr verloren. "Die Ergebnisse sprechen für sich", betonte auch Frings: "Der HSV besitzt eine sehr gute Mannschaft. Markus Gisdol hat es geschafft, sie zusammenzuführen und dafür zu sorgen, dass alles funktioniert."

Der Gelobte hatte kurz zuvor in Hamburg selbst nicht mit Komplimenten für den kommenden Gegner gegeizt. "Darmstadt hat sich im Vergleich zur Hinrunde deutlich weiterentwickelt", bescheinigte HSV-Chefcoach Gisdol dem SV 98, ehe er die Südhessen tiefergehend analysierte: "Darmstadt wehrt sich mit Händen und Füßen und spielt im Vergleich zu Beginn der Saison, als man viele lange Bälle geschlagen hat, einen ordentlichen Fußball. Sie versuchen durchaus, die spielerische Lösung zu finden."

Ob am Samstag gegen den HSV auch die Lösung für die Auswärtsschwäche gefunden wird, wird sich noch herausstellen. Für das Unterfangen werden Terrence Boyd (Fußverletzung), Peter Niemeyer (Achillessehnenprobleme) und Leon Guwara (Trainingsrückstand nach Krankheit) definitiv nicht an Bord sein.

Der Rest soll in der Hansestadt alles auf den Rasen werfen, um vor rund 1600 mitreisenden Lilienfans die langersehnten Auswärtszähler einzufahren. "Keiner will, dass da weiter die Null steht", beteuert Fabian Holland, der sich in der Woche mit einer Vertragsverlängerung bis 2020 klar zu den Lilien bekannt hatte: "Wir sind alle heiß, endlich mal was mitzunehmen." Notfalls auch wieder in der Nachspielzeit.