"Charakterlich eine top Truppe"

123,60 Kilometer. Kein anderes Bundesliga-Team spulte an diesem Spieltag eine derart hohe Laufleistung ab wie die Lilien. Der Zweitplatzierte, die TSG Hoffenheim (118,79 km), folgt bereits mit einem satten Abstand. Gewiss: Am Ende steht für den SV 98 die Auswärtsniederlage zu Buche, mal wieder. Aber: Der Kilometerzähler und die Art und Weise, wie sich die Südhessen besonders in in der Endphase gegen den Rückstand stemmten, zeigen, dass sie sich unter keinen Umständen mit ihrer Situation abfinden wollen.

Foto: Huebner

"Wir haben charakterlich eine top Truppe, die sich niemals aufgibt", zollte Cheftrainer Torsten Frings seiner Mannschaft hinterher Respekt. Das zeigte sich auch am Spielverlauf: Eine aus Lilien-Sicht verhaltene erste Halbzeit endete mit dem Gegentreffer zum berühmten so ungünstigen Zeitpunkt. Doch die Lilien stemmten sich nach der Pause mit aller Macht gegen das 0:1.

"Obwohl man so weit unten drinsteht und mit null Auswärtspunkten nach Wolfsburg fährt", schilderte Frings hinterher, "muss man erstmal so eine Leistung zu bringen und so eine gute Mannschaft wie den VfL hinten reindrücken und auf das 1:1 drängen."

Auch sein Trainerkollege hatte den mutigen Auftritt des SV 98 im zweiten Durchgang registriert. Andries Jonker bemängelte bei seinem Team die "immer wieder schnelle Ballverluste" und sprach im gleichen Atemzug auch über die Leistung der Gäste: "Die Darmstädter haben alles dafür getan, um es uns so schwierig wie möglich zu machen. Letztendlich haben wir auch Glück benötigt, um den Sieg hierzubehalten."

Lob vom Gegner - kennt man alles zur Genüge. "Unser Manko in den vergangenen Wochen und Monaten ist, dass wir einfach zu wenig Tore erzielen", erklärte Frings, warum es vor allem auswärts bislang nie zu mehr reichte: "Selbst aus besten Möglichkeiten machen wir leider häufig zu wenig."

Mit ein bisschen Glück wäre auch Markus Steinhöfers Abschluss im Netz gezappelt. Eine Hereingabe in der 47. Minute erwischte "Steini" jedoch nicht richtig, der Ball segelte zu zentral auf das Tor. Nur eine Chance von vielen in der zweiten Halbzeit - auf beiden Seiten. Aber vor allem in der Schlussphase entfachten allein die Lilien einen riesigen Druck auf das Wölfe-Tor, die letzten 15 Minuten glichen einem pausenlosen Belagerungszustand des gegnerischen Strafraums.

"Wir sind sehr viel gelaufen und haben uns in jeden Ball reingeworfen", schilderte Steinhöfer anschließend. Der Startelf-Debütant hatte nach 90 Minuten starke 12,38 Kilometer verbucht und mit 46 Sprints die meisten Tempoläufe an diesem Nachmittag angezogen. "Natürlich klappt nicht alles, das ist normal. Aber wir müssen die positiven Sachen mitnehmen."

Zunächst steht für die Lilien und den Rest der Bundesliga die Länderspielpause auf dem Plan. Zeit, um die wundgelaufenen Füße aus dem Wolfsburg-Spiel auszukurieren, den Körper zu regenerieren und dann einen neuen Anlauf auf Auswärtspunkte zu starten. Frings: "Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit, uns auszuruhen und zu trainieren. Und wollen dann in Leipzig wieder probieren, endlich die ersten Auswärtspunkte zu holen."